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Karl Kautsky, Die Verschwendung in der kapitalistischen Produktionsweise, Die neue Zeit, 7. Jg. (1889), H. 1, S. 25–35.
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Die bürgerlichen Ökonomen pflegen es rühmend als eine der segensreichsten Folgen der mit der kapitalistischen Produktionsweise verbundenen freien Konkurrenz hervorzuheben, dass sie in jedem Betrieb dahin dränge, die größtmögliche Leistung mit dem wenigstmöglichen Aufwand zu erzielen. Sie erzwingt es in jedem Betrieb, dass man die Produktivität der Arbeit soweit nur möglich steigert und den Verbrauch der zur Herstellung einer bestimmten Ware notwendigen Arbeitskraft und der notwendigen Produktionsmittel aufs äußerste einschränkt. Sie erzwingt Sparsamkeit in Bezug auf jeden Faktor der Produktion bis hinunter zu Schmieröl und anscheinend wertlosem Abfall.
Diese Wirkung ist unbestritten und es ist möglich, dass sie unter einer anderen Produktionsweise in gleichem Maße nicht erreichbar ist. Auf jeden Fall zeigte sich die kapitalistische Produktionsweise darin weit überlegen der Warenproduktion, wie sie vor der französischen Revolution, und in manchen Gegenden noch weiter herrschte, erstickt und eingeengt von den verfallenden Ruinen mittelalterlicher Produktionsformen. Das verknöcherte zünftige Handwerk, der landwirtschaftliche Großbetrieb, durch die Hand- und Spanndienste unwillig frohnender Bauern betrieben, der bäuerliche Kleinbetrieb, eingeengt durch Flurzwang, Durcheinanderwürfelung der Grundstücke und andere Überreste der Markverfassung, wurden im vorigen Jahrhundert immer mehr zu Produktionsformen, in denen die geringstmögliche Leistung mit dem größtmöglichen Aufwand erzielt wurde, in denen die Verschwendung von Arbeitskraft und Produktionsmitteln in jedem einzelnen Betrieb ganz enorm war und außer allem Verhältnis zu der bereits erreichten Höhe der Technik stand.
Diesen Zuständen gegenüber bildeten die Produktivität und Sparsamkeit, die die kapitalistische Produktionsweise in jedem Betrieb erzwang, entschieden einen gewaltigen Fortschritt. Heute freilich erscheint es bereits etwas veraltet, diese Wirkungen allzu sehr zu loben, denn aus Vorteilen fangen sie an, zu Übeln zu werden.
Die halbkapitalistische Warenproduktion mit dem feudalen Mäntelchen, das die französische Revolution abriss, um die Ära der vollkapitalistischen Produktionsweise einzuleiten, ging am Mangel zu Grunde; die Produktion, namentlich an Lebensmitteln, genügte immer weniger der Nachfrage. Die moderne Produktionsweise erstickt im Überfluss. Die Nachfrage genügt immer weniger der Produktion. Je größer aber die Überproduktion, desto größer die Konkurrenz, desto schärfer alle jene Antriebe, die zu größter Produktivität und Sparsamkeit innerhalb des Betriebs spornen.
Dieser sonderbare Widerspruch der kapitalistischen Produktionsweise hätte sie schon längst unmöglich gemacht, schon längst ihr Getriebe ins Stocken gebracht, wenn die Tendenz nach Produktivität und Sparsamkeit innerhalb jedes Betriebes nicht durch eine andere entgegengesetzte Tendenz wenigstens bis zu einem gewissen Grade aufgehoben oder abgeschwächt würde: je mehr die kapitalistische Produktionsweise sich entwickelt, desto größer der Drang nach Produktivität und Sparsamkeit in jedem einzelnen Produktionsbetrieb, desto größer aber auch die durch gesellschaftliche Faktoren erzwungene Verschwendung im Haushalt jedes Einzelnen und, wenn man so sagen kann, im Haushalt der Gesellschaft.
Es kann nicht Aufgabe eines kurzen Artikels sein, diesen Satz systematisch auszuführen. Manche Seiten des Themas sind bereits zu bekannt und allgemein besprochen, als dass man hoffen dürfte, ihnen neue Gesichtspunkte abzugewinnen. Andere sind so unbeachtet geblieben, dass ihre Betrachtung eingehendere Vorarbeiten verlangt. Wir behalten uns vor, auf verschiedene derselben in separaten Artikeln ausführlicher zurückzukommen. Heute seien nur einige Illustrationen des obigen Satzes gegeben.
Marx hat bereits in seinem Kapital darauf hingewiesen, dass die kapitalistische Produktionsweise, während sie Ökonomie in jedem kapitalistischen Betriebe erzwingt, im Haushalt des Arbeiters Verschwendung hervorruft. Eine der wichtigsten Ursachen derselben ist die Auflösung der Arbeiterfamilie. Gern klagen die Anwälte der herrschenden Produktionsweise über die Unwirtschaftlichkeit der Arbeitersfrauen: Die Arbeiter könnten von ihrem Lohne viel besser leben, wenn die Arbeiterinnen besser verstünden, hauszuhalten. Aber sie verstehen nicht zu kochen. Mit unverhältnismäßig großem Aufwand stellen sie schwer verdauliche und schlecht schmeckende Gerichte her; [1] sie verstehen nicht zu nähen, nicht die Wäsche der Familie in Ordnung zu halten u. s. w. Diese Klagen sind zum Theil wohlbegründet, es ist jedoch eine sonderbare Verdrehung, wenn man sie als eine Anklage gegen die Arbeiterklasse formuliert, wenn man daraus schließen will, die Arbeiter seien selbst daran schuld, wenn es ihnen nicht besser gehe, sie könnten ihre Lage leicht bei einigermaßen gutem Willen durch individuelle Anstrengungen verbessern. Woher stammt denn die Unwirtschaftlichkeit der Arbeiterfrauen? Aus Institutionen, die dem Kapitalisten vor allem ans Herz gewachsen sind, aus der Frauen- und Kinderarbeit. Verlangen, dass die Arbeiterfrau Hausfrau im alten kleinbürgerlichen Sinn und gleichzeitig industrielle Lohnarbeiterin sein soll, die ihre ganze Arbeitskraft dem Kapital verkauft; verlangen, dass die Arbeiterkinder den ganzen Tag in der Fabrik arbeiten und gleichzeitig alle Elemente der Haushaltungskunst lernen sollen – das ist entweder gedankenlose Albernheit oder bewusste Gemeinheit.
Frauen- und Kinderarbeit in der Industrie und Verschwendung im Haushalt des Arbeiters, das sind zwei Elemente, die unzertrennlich miteinander Hand in Hand gehen und miteinander wachsen.
Eine andere Ursache der Verschwendung im Haushalt des Arbeiters liegt in der Spärlichkeit und Unsicherheit seines Lohnes. Er wird dadurch gezwungen, zur Befriedigung seiner Bedürfnisse nicht das Gute oder Dauerhafte, sondern das Billigste zu kaufen, selbst wenn es im Verhältnis zu seinem Preis unverhältnismäßig rasch verschleißen oder unbrauchbar sein sollte, so dass es sich schließlich als das teuerste herausstellt. Er muss gefälschte Lebensmittel kaufen, selbst wenn er weiß, dass sie ihn nicht genügend nähren, und seine Gesundheit untergraben, also seine Arbeitskraft nicht voll wiederherstellen; er muss die billigsten Kleider, die billigsten Möbel kaufen, auch wenn er weiß, dass er um den doppelten Preis Ware von zehnfacher Haltbarkeit erhält. Je mehr die Masse des Volkes in das Lohnproletariat versinkt, desto mehr wird das: „Billig, wenn auch schlecht“ zum Motto der Konsumenten und damit auch der Industrie, die ja heute nicht zum Gebrauch, sondern zum Verkauf produziert, also gern die Brauchbarkeit einer Ware vermindert, wenn sie dadurch deren Verkäuflichkeit erhöht, die heute in erster Linie auf der Billigkeit beruht. Ein immer größerer Theil der Arbeitskraft der Nation wird zu schleuderhafter Verarbeitung wertlosen Rohmaterials verwendet oder besser gesagt, verschwendet.
Neben der Verschwendung in den Haushaltungen der Arbeiter finden wir sie in den Haushaltungen der herrschenden Klassen. Diese steigt umso mehr, je mehr die Rate und Masse des Mehrwertes wächst und der Kreis seiner Empfänger sich verengt. Das bedarf kaum einer Illustration. Hier sei nur einer Art von Verschwendung gedacht, die von dem individuellen Wollen der einzelnen Besitzenden fast ganz unabhängig ist, ihnen als soziale Notwendigkeit aufgedrängt wird: wir meinen die durch den Wechsel der Mode hervorgerufene.
Man liebt es heutzutage, gesellschaftliche Erscheinungen durch naturwissenschaftliche Schlagworte zu erklären. Man fand die Wurzeln der historisch so jungen „freien Konkurrenz“ im „ewigen Naturgesetz“ des „Kampfes ums Dasein“, und die Narrheit der wechselnden Kleidermoden ward zur Naturnotwendigkeit, indem man sie auf die geschlechtliche Zuchtwahl zurückführte. Man übersah dabei die Kleinigkeit, dass das Wesen der Mode der Wechsel ist, indes die Charaktere, die der geschlechtlichen Zuchtwahl entstammen, in historischen Zeiträumen unveränderliche sind. Im Menschengeschlecht selbst finden wir, dass naturwüchsige Völker zäh an ihren Trachten und ihrer Architektur hängen und dieselbe unverändert von Generation zu Generation überliefern.
Nur unter bestimmten gesellschaftlichen Zuständen finden wir einen raschen Wechsel der Moden: in revolutionären Zeiten, in denen der Charakter der Gesellschaft rasch wechselt, und in Zeiten eines üppigen Luxus, in denen die herrschenden Klassen so viel an Mehrwerth oder Mehrprodukt erhalten, dass sie mindestens einen Theil davon verschwenden müssen, um ihn wieder loszuwerden, und in denen die Prostitution eine gesellschaftliche Macht wird.
Die geschlechtliche Zuchtwahl in der Tierwelt ruft auffallende Charaktere bei den Männchen hervor, Mähnen, buntes Gefieder, Geweihe, Singstimmen u. s. w. Die „geschlechtliche Zuchtwahl“, die von den höheren und niederen Dirnen geübt wird, ruft dagegen auffallende weibliche Trachten hervor. Es bewerben sich da nicht die Männchen um die Weibchen, sondern umgekehrt. Jeder Mann wird genommen, vorausgesetzt, dass er Geld hat, nicht aber jedes Frauenzimmer. Für die Männer unserer Zeit genügt daher die unscheinbare, seit Jahrzehnten fast unveränderliche Tracht; die Frauen dagegen suchen Aller Blicke durch ein lockendes, überraschendes, auffallendes Äußere auf sich zu ziehen. Das Auffallendste ist aber das Neue. Daher der stete Wechsel der Moden. Was die Kokotten beginnen, müssen die „anständigen“ Damen nachmachen, um bei ihrem Angeln nach Gatten nicht übersehen zu werden.
Aber das ist’s nicht allein, was den Wechsel der Mode hervorruft. Stets nach der neuesten Mode gekleidet zu sein, ist ein Zeichen von Wohlstand, und zwar umso mehr, je rascher die Moden wechseln. Man will nicht nur stets neu gekleidet sein, man will das auch zeigen; das Neue soll nicht bloß neu, es soll auch anders sein als das Alte. Nichts, was in der letzten Saison galt, soll in der nächsten verwendbar sein. Auch das fördert den raschen, schreienden Wechsel. Heute ist es modern, dunkel zu gehen, morgen hell; heute einfarbig, morgen bunt; heute sind die Kleider so eng, dass sie die intimsten Rundungen des Körpers plastisch hervortreten lassen; morgen erweitert man das Kleid unförmig und bauscht es hinten durch eine Krinoline auf, bis die „züchtige Hausfrau“ in einer Form erscheint, die mehr an die Hottentottische Venus steatopygos als an die antike Venus kallipygos erinnert.
Aber nicht bloß die Damen der vornehmen Welt wechseln heute rasch ihre Kleidertrachten. Wir haben oben erwähnt, wie billig und schlecht die Arbeiter kaufen. Die Kleider der Mädchen und Frauen aus dem Volke verschleißen heute so rasch, dass sie bald wieder durch neue ersetzt werden müssen. Wenn neue, warum nicht moderne? Es entspricht dies ganz dem Zug unserer Zeit, die die äußerlichen Standesunterschiede immer mehr zu verwischen sucht und in der Alles in beständigem Fluss begriffen ist, Alles nach Neuem drängt. Ehedem war der Wechsel der Moden ein Vorrecht der obersten Zehntausend. Heute bemerken die „Damen“ voll moralischer Entrüstung, dass selbst unter Dienstmädchen und Fabrikarbeiterinnen immer mehr die „Sucht“ sich verbreitet, stets modern gekleidet zu erscheinen. Ein Modenwechsel geht heute nicht mehr in engem Kreis vor sich, seine Wirkungen erstrecken sich durch die ganze Gesellschaft und machen sich in der Produktion deutlich fühlbar. Mit einem Schlage entwertet er eine Unzahl halb- oder noch gar nicht gebrauchter Fabrikate, die als Ladenhüter verschimmeln oder weggeworfen werden, wenn man nicht das Material, aus dem sie bestehen, noch einmal verarbeiten kann. Ein solcher Modenwechsel bedeutet heute eine kolossale Verschwendung von Produkten aller Art. Aber eben dadurch hilft er etwas der Überproduktion ab und erzeugt eine Nachfrage nach neuen Produkten. Es sind daher nicht zum mindesten die Händler und Fabrikanten der betreffenden Waren, welche die raschen und schroffen Modenwechsel begünstigen, mitunter geradezu hervorrufen.
In den unteren Schichten des Volkes erstreckt sich der Wechsel der Mode nur auf die Kleidung; bei den Wohlhabenden auch auf die Ausschmückung des Hauses. Dank der Styl- und Charakterlosigkeit unserer Zeit sind sie in der angenehmen Lage, mit den Stylen ihrer Wohnräume nach Belieben zu wechseln: heute ist deutsche Renaissance en vogue, morgen verrückter Zopfstil, übermorgen der fade Stil des ersten französischen Kaiserreichs, bis man schließlich vielleicht bei einem Durcheinander von orientalischem Krimskrams anlangt. Dass dieses ewige Wechseln in den Möbeln, Tapeten etc. eine bedeutende Verschwendung von Arbeit und Material bedingt, liegt auf der Hand.
Indessen alle diese und noch andere Methoden der Verschwendung im Haushalt der Einzelnen, wie sie die kapitalistische Produktionsweise erzeugt, sind in ihren Wirkungen geringfügig, verglichen mit denen der Verschwendung im Haushalt der Gesellschaft.
Eine der kolossalsten dieser Verschwendungen ist die durch den Militarismus erzeugte. Man betrachtet diesen in der Regel als den Ausfluss eines politischen Systems, das künstlich der modernen Gesellschaft aufgepfropft worden; nicht als eine notwendige Folge der kapitalistischen Produktionsweise. Es gibt allerdings Staaten, denen es bisher möglich geworden, sich der Last der großen stehenden Heere bis zu einem gewissen Grad zu entziehen. So England, die Schweiz und die Vereinigten Staaten. Dies verdanken sie jedoch nicht der „Freiheit“, nicht ihren politischen Institutionen, nicht der Macht der Volksvertretung, sondern ausnahmsweise günstigen Umständen. Die Vereinigten Staaten haben keinen auch nur einigermaßen ebenbürtigen Nachbar. England ist durch seine insulare Lage vor allem auf die Pflege der Flotte angewiesen und die kleine Schweiz findet ihren besten Schutz nicht in ihrer Armee, sondern in der Eifersucht ihrer Nachbarn. Übrigens wachsen auch in diesen Staaten die Ausgaben für das Kriegswesen rapid, trotzdem, wenigstens in England und der Schweiz, die politischen Institutionen immer demokratischer werden.
Die kapitalistische Produktionsweise hat die modernen großen Nationen zusammengeschweißt und die Gegensätze erzeugt, die zwischen ihnen herrschen und jede derselben zwingen, stets bereit zu sein, jedem Gegner die Spitze bieten zu können: Gegensätze, teils direkt ökonomischer Natur, teils historisch-politischer Natur, die aber in letzter Linie auch auf materielle Gegensätze zurückzuführen sind. Die kapitalistische Produktionsweise hat aber auch die technischen Grundlagen produziert, welche allein den modernen Militarismus möglich, und, angesichts der herrschenden Verhältnisse, notwendig machen. Die Entwicklung des Verkehrswesens schafft die Möglichkeit, große Truppenmassen lange beisammenhalten und ernähren zu können; daher das rasche Anwachsen der Armeen. Das moderne Verkehrswesen bietet aber auch die Möglichkeit, binnen wenigen Tagen rasch große Menschenmassen an einen bestimmten Punkt zu werfen; daher die Notwendigkeit steter Kriegsbereitschaft, um vor jedem Überfall sicher zu sein, die Notwendigkeit großer stehender Armeen, die Notwendigkeit einer zahlreichen Kavallerie.
Die kapitalistische Produktionsweise bietet endlich in der bewunderungswürdigen großindustriellen Technik, die sie entwickelt hat, die Möglichkeit und Notwendigkeit steter Vervollkommnung der Angriffs- wie der Verteidigungswaffen zu Wasser und zu Land, die Notwendigkeit fast ununterbrochenen, und zwar immer rascheren Wechsels in den Systemen der Feuerwaffen, der Festungswerke, Kriegsschiffe u. s. w.
Welch’ ungeheure Verschwendung an Arbeitskraft und Reichtum der Militarismus involviert, bedarf keiner weiteren Auseinandersetzung. Diese Verschwendung wird von allen Seiten anerkannt und beklagt, bloß darüber streitet man, ob sie notwendig sei oder nicht. Die Anhänger des Militarismus behaupten, er sei eine ewige Naturnotwendigkeit, denn Kriege habe es immer gegeben und werde es immer geben u. s. w., seine bürgerlich demokratischen Gegner wieder halten ihn bloß für das Ergebnis einer Laune der Herrschenden, das durch einen Parlamentsbeschluss, durch Einsetzung eines internationalen Schiedsgerichts und dergleichen einfach beseitigt werden könne.
Dass es zwischen den verschiedenen menschlichen Gesellschaften stets Gegensätze gegeben, die zu Kämpfen führten, soweit wir die Geschichte des Menschengeschlechts zurückverfolgen können, ist richtig; aber weder sind diese Gegensätze stets dieselben gewesen, noch blieb die Form, in der sie zum Austrag gebracht wurden, stets die gleiche. Zahlreiche Gegensätze, die ehedem zwischen einzelnen Gesellschaften bestanden und zahlreiche Kampfesarten sind heute bereits unmöglich geworden. Den heutigen Gegensätzen zwischen den Großmächten und der modernen Kriegführung dürfte es ebenso ergehen. Mit der Überwindung der kapitalistischen Produktionsweise würden die ökonomischen Gegensätze zwischen den Staaten von selbst schwinden, die hauptsächlich der Kampf um den Weltmarkt erzeugt; die traditionellen Gegensätze, die „Erbfeindschaften“, die aus den ökonomischen ihr Leben zogen, würden nach und nach absterben. Der Militarismus würde auf diese Weise rasch überflüssig werden.
Aber den Militarismus beseitigen und den Kapitalismus erhalten wollen, wie das die bürgerliche Demokratie anstrebt, ist eine Utopie. Die Verschwendung, die der Militarismus bedingt, ist eine notwendige Konsequenz der kapitalistischen Produktionsweise.
Die verschiedenen Formen der Verschwendung, die die Planlosigkeit dieser Produktionsweise bedingt, sind bekannt genug. Heute wird ein Berg abgeholzt, um morgen mit den dreifachen Kosten des Holzertrages wieder aufgeforstet zu werden, nachdem Lawinen und Wildbäche, die von den kahlen Abhängen ins Thal stürzten, unsäglichen Schaden angerichtet. An der Peripherie großer Städte verbaut man rücksichtslos jeden freien Platz, indes man im Zentrum mit großen Kosten Häuser einreißt, um an deren Stelle kümmerliche Baumpflanzungen anzulegen u. s. w.
Jede wirtschaftliche Krisis vernichtet eine Anzahl von Waren, die sie entwertet, unverkäuflich und damit unbrauchbar macht. Aber auch in Bezug auf die Waren, die schließlich einen Käufer finden, bedeutet jede Absatzstockung eine Verschwendung. Denn die Waren werden unter solchen Umständen in der Regel nicht gleich an den Mann gebracht. Sie müssen entweder lange lagern, bis sie einen Käufer finden, oder von Ort zu Ort, ja von Weltteil zu Weltteil wandern, ihn zu suchen. Die daraus entspringenden bedeutenden Kosten der Magazinierung und des Transports sind offenbar verschwendet.
Nur noch einer der kapitalistischen Produktionsweise eigentümlichen Form der Verschwendung sei hier gedacht, der durch das Anwachsen der Großstädte hervorgerufenen.
Die Großstädte sind ein Produkt des Warenhandels. Wir finden ihrer schon im Altertum. Aber erst unter der kapitalistischen Produktionsweise wird die Warenproduktion die allgemeine Form der Produktion, wird die ganze Gesellschaft vom Handel abhängig, entsteht ein allgemeines Hasten und Drängen nach den Handelszentren, in denen die Bevölkerung sich staut, indes das flache Land sich entvölkert und in jeder Beziehung verödet.
Aus der Zusammendrängung großer Menschenmassen auf geringem Raum ergeben sich immer größere Missstände, erwachsen für den Gesundheitstechniker immer größere Probleme. Aufgaben, die auf dem flachen Lande nur geringe oder gar keine Schwierigkeiten verursachen, wie z. B. die Beschaffung von Trinkwasser oder die Abfuhr und Verwendung der Abfallstoffe, werden in der Großstadt Veranlassung zu riesenhaften Bauten, meilenlangen Wasserleitungen und Kanälen &c. Mit Stolz und Entzücken weisen die Lobredner unserer Gesellschaft auf diese modernen Weltwunder hin, die die des Altertums so hoch überragen: und doch sind diese gepriesenen Triumphe des Menschengeistes nur Palliative, um unerträglich gewordene Missstände zu mildern, die der Naturmensch gar nicht kennt. Nur wenige Jahrzehnte, oft Jahre genügen, dass ihre Wirkung durch das Anwachsen der städtischen Bevölkerung illusorisch wird, neue, noch großartigere, noch kostspieligere Bauten notwendig werden, wenn die Stadt überhaupt noch bewohnbar bleiben soll. In Paris projektiert man bereits eine Wasserleitung aus der Schweiz und einen Unrathskanal nach dem Meer. Dergleichen riesenhafte Bauten wären in einer Gesellschaft, in der der Gegensatz zwischen Stadt und Land aufgehoben, höchst überflüssig. Ihre Herstellung bedeutet eine Vergeudung, die aber unter der modernen Produktionsweise unabweisbar ist. Welche Verschwendung von Düngstoffen damit verbunden, ist allgemein bekannt.
Für die Entwicklung des Baugewerbes ist dieses stets steigende Bedürfnis nach Anlagen der erwähnten Art natürlich sehr günstig. Das Anwachsen der Bedürfnis fördert es noch in anderer Weise. Immer mehr verödet das flache Land, seine Bewohner ziehen in die Stadt. Es gibt heute schon gar manches Dorf, in dem fast nur Greise, Krüppel und Kinder zu finden sind; die arbeitsfähigen Bewohner sind fast alle in die Stadt gezogen. Die Bauernhäuser werden leer, ihre bisherigen Bewohner bedürfen neuer Wohnungen in der Stadt. Eine große Bautätigkeit wird erforderlich, nicht durch das Anwachsen der Bevölkerung, sondern bloß durch deren Ortswechsel, einen Wechsel, der nicht hervorgerufen wird durch die Lockungen einer gesünderen lieblicheren oder fruchtbareren Gegend, nicht durch das Verlangen, die eigene Arbeit produktiver zu gestalten sondern bloß durch das Bedürfnis, dem großen Markt näher zu sein, auf dem jede Ware, auch die Ware Arbeitskraft, eher Aussicht hat, einen Käufer zu finden, als in den Einöden, die abseits vom Weltverkehr liegen.
Das Anwachsen der Großstädte verursacht aber gleichzeitig auch eine gewisse Bautätigkeit auf dem flachen Lande. Trotz aller hygienischen Vorsichtsmaßregeln und Einrichtungen werden die Großstädte immer ungesünder, degeneriert ihre Bevölkerung immer. Immer notwendiger wird es für die Städter, um diese Wirkung, wenn schon nicht aufzuheben, so doch wenigstens zu mildern, dass sie einen Theil des Jahres über außerhalb der Stadt in frischer Landluft, im Gebirge oder an der See zubringen. Was ehedem als besonderer Luxus des Hofadels galt, eine Wohnung in der Residenz und gleichzeitig eine auf dem Lande zu besitzen, wird jetzt immer mehr ein allgemeines Erfordernis jeder, auch der bescheideneren, bürgerlichen Familie. Neben den sich leerenden Bauernhäusern erstehen Villen und Hotels, die einige Wochen im Jahre überfüllt sind, jedoch die andere Zeit über ebenfalls leerstehen.
Das Anwachsen der Großstädte führt also zur steten Zunahme der Zahl von Häusern, die nur unvollständig benutzt werden, deren Erbauung eine Verschwendung bedeutet.
In demselben Maße, in dem die Großstadt wächst, gehen auch in ihrem Innern beständige Änderungen vor sich. Das ganze Geschäftsleben konzentriert sich in ihrem Mittelpunkt, in einem verhältnismäßig kleinen Stadtteil. Dahin drängt tagsüber die Bevölkerung, soweit sie am Geschäftsleben beteiligt, dahin drängen die gesamten Warenmassen, die die Großstadt konsumiert oder deren Stapelplatz sie ist; von dort strömen Menschen und Waren wieder hinaus zur Peripherie oder in die Kanäle des Welthandels. Das stete Auf- und Abwogen der Menschen- und Warenmassen wächst von Jahr zu Jahr, erfordert eine stetige Verbreiterung der Verkehrswege in der inneren Stadt, von Zeit zu Zeit große Neuanlagen solcher Wege, neuen Raum für Bahnhöfe und dergleichen. Und während so der für Häuser bleibende Raum immer enger wird, wächst die Nachfrage nach Comptoirs, nach Magazinen, nach Verkaufsläden in der inneren Stadt. Um dieser zu genügen, heißt es die alten, niederen Häuser durch neue, immer höhere zu ersetzen. Die Folge von alledem ist eine stete Revolutionierung der inneren Stadt, – ein stetes Niederreißen und Neuaufbauen von Gebäuden, nicht erfordert durch die Vermehrung der Bevölkerung, nicht durch technische Rückschritte, etwa wegen Baufälligkeit, sondern nur durch gewisse Eigenheiten der modernen Produktionsweise.
Auch hier wie auf allen anderen Gebieten, die sie beherrscht, zeigt sich die kapitalistische Produktionsweise als revolutionäre Produktionsweise comme il faut, die nichts Dauerndes kennt; heute entwertet sie, was sie gestern geschaffen, sucht Alles unbrauchbar zu machen, ehe es noch unbrauchbar geworden, und erklärt heute leichten Herzens die ganze Arbeit, die im Gestern steckt, für vergeudet, um neue Arbeit für das Morgen vergeuden zu können.
Nicht minder als das Bauwesen wird das Verkehrswesen durch das Anwachsen der Großstädte übermäßig stimuliert.
Die kapitalistische Produktionsweise drängt von vornherein auf die möglichst ausgedehnte und rasche Entwicklung des Transportwesens. Jedes der kleinen mittelalterlichen Gemeinwesen erzeugte selbst fast alle Gegenstände des eigenen Bedarfs. Wir lesen heute mit Verwunderung, dass in Sachsen und Brandenburg sowie in England im Mittelalter ein bedeutender Weinbau stattfand. Warum ist dieser später verschwunden? Darüber hat sich schon Mancher den Kopf zerbrochen. Ist das Klima rauer geworden? Dafür spricht gar nichts. Es waren soziale, nicht klimatische Wandlungen, die den Weinbau in Brandenburg und England ruinierten. Sobald der Handel den Engländern die französischen Weine brachte, wurde es für sie höchst überflüssig, mühselig sauren Wein daheim zu produzieren, wenn sie leicht trefflichen Wein zu kaufen bekamen.
Die Entwicklung des Transportwesens erlaubt es, dass jede Örtlichkeit, statt Alles zu produzieren, dessen sie bedarf, nur das produziert, wozu sie am besten veranlagt ist, und dafür von anderen eintauscht, was diese leichter produzieren können, als sie selbst; dass eine geographische Arbeitsteilung eintritt und auf diese Weise überall der größtmögliche Ertrag mit den möglichst geringen Kosten erzielt wird. Darauf beruht, wie uns die bürgerlichen Ökonomen versichern, die Produktivität des Handels.
Sie vergessen, dass die Erhöhung der Produktivität der Arbeit, die die Entwicklung des Transportwesens ermöglicht, voll und ganz nur eintreten kann unter einer Produktionsweise, in der die zivilisierten Nationen ihre wirtschaftlichen Verhältnisse nach innen wie nach außen planmäßig regeln. Heute, unter dem System der freien Konkurrenz ist die Wirkung des modernen Verkehrswesens eine andere.
Die bürgerlichen Ökonomen wollen uns glauben machen, dass der Handel immer mehr dahin führt, dass jede Nation sich auf die Erzeugung bestimmter Spezialitäten wirft, für die bei ihr die natürlichen Bedingungen besser als anderswo vorhanden sind, die sie daher am billigsten erzeugen kann, und dass sie dagegen von den anderen Nationen diejenigen Bedarfsartikel eintauscht, die diese billiger als sie selbst produzieren können. So gewinnen alle Theile und die schönste Harmonie ist die Folge.
Unglücklicherweise ist von einem Tauschen der einzelnen Nationen untereinander keine Rede. Die Kapitalisten der einzelnen industriellen Nationen lassen Waren produzieren, um sie auf dem inneren Markt und dem Weltmarkt zu verkaufen. Sie verlegen sich vorwiegend auf die Herstellung jener Waren, die auf dem Weltmarkt am gangbarsten sind, der großen Stapelartikel; ansgebildeter Stab von Beamten u. s. w. Aus dem ganzen Erdkreis strömentatt dass jede Nation sich ausschließlich einigen besonderen Spezialitäten zuwendet, finden wir, dass in jeder Großindustriellen Nation die gleichen Industriezweige in den Vordergrund treten, dass jede so ziemlich die gleichen Waren auf den Weltmarkt schickt, dass sie untereinander, anstatt friedlich zu tauschen, erbittert konkurrieren.
So lange das Transportwesen nicht genügend entwickelt war, wurde allerdings die Konkurrenzfähigkeit jeder einzelnen Nation auf dem Weltmarkt sehr durch die natürlichen Produktionsbedingungen bestimmt, denen sie unterworfen war. Von einem gewissen Punkt an dient jedoch jede weitere Entwicklung des Transportwesens dazu, die Überwindung der natürlichen Hindernisse der Produktion zu erleichtern, die natürlichen Unterschiede zwischen den verschiedenen Industriestaaten auszugleichen. Die Eisenindustrie ist z. B. heute nicht mehr an das Vorhandensein reicher Eisenerz- und Kohlenlager gebunden. Die Schweiz hat eine blühende Eisenindustrie entwickelt, trotzdem sie Eisen wie Kohle importieren muss.
Der kolossale Fortschritt des Transportwesens in dem letzten halben Jahrhundert hat nicht dazu geführt, die Erzeugung der Produkte an den geeignetsten Produktionsstätten zu konzentrieren, sondern dahin, die Produktion von den durch die Natur gegebenen Bedingungen immer unabhängiger zu machen. Sie hat z. B. nicht dahin geführt, dass die Produkte immer mehr dort fertig gestellt werden, wo das Rohmaterial gefunden, oder erzeugt wird, sondern dass das Rohmaterial aus immer weiteren Entfernungen dort zusammenströmt, wo vor Allem die sozialen Bedingungen seiner Verarbeitung gegeben sind, die geeigneten Arbeitermassen, die nötigen Kapitalien, ein wissenschaftlich gebildeter Stab von Beamten u. s. w. Aus dem ganzen Erdkreis strömen die Roh- und Hilfsmaterialien in die großindustriellen Gebiete, um von dort wieder hinaus in alle Welt zu wandern. Und, wenn diese Wanderung wenigstens stets eine direkte wäre! Meist ist es anders. Die Rohprodukte müssen zunächst an einen der großen Märkte des Welthandels, in eine Großstadt. Dort lagern sie, bis sie einen Käufer finden, der sie, der Himmel weiß wo, benötigt. An ihrem Bestimmungsort angelangt, werden sie verarbeitet, worauf das fertige Produkt abermals auf einen Markt gebracht werden und dort eines Käufers harren muss, der es erst an den Ort seines Konsums bringt. Und oft muss die Ware von einem Markt zum andern wandern, um spät oder gar nicht einen Käufer zu finden. Dies ist umso eher ihr Schicksal, je größer die Überproduktion, je mehr die Märkte mit Waren überfüllt sind. Je mehr das Transportwesen entwickelt ist, je geringer die Transportkosten, um desto mehr Transportarbeit wird unter der Herrschaft der kapitalistischen Produktionsweise verschwendet.
Wir haben schon darauf hingewiesen, dass die Konzentration des Handels an wenigen Punkten, den Großstädten, eine Verschwendung an Transportarbeit bedingt. Das Anwachsen der Großstädte bedingt aber noch eine weitere Vermehrung von Transportarbeit, die bei Ausgleichung des Gegensatzes von Stadt und Land wegfiele. Eine Großstadt bildet den geraden Gegensatz zu einem urwüchsigen Gemeinwesen. Dieses erzeugte alle Rohstoffe selbst, die es bedurfte, die Großstadt keinen einzigen. Der mittelalterliche Bauer hatte Alles zur Hand, was er produktiv oder unproduktiv konsumierte; der Großstädter muss Alles, was er verarbeiten oder unverarbeitet konsumieren will, von auswärts beziehen. Eine sozialistische Gesellschaft mit planmäßig organisierter Produktion würde selbstverständlich nicht auf den mittelalterlichen Standpunkt zurückkehren. Sie würde im Gegenteil die geographische Arbeitsteilung noch weit mehr entwickeln als sie unter der kapitalistischen Produktionsweise gediehen. Aber sie würde dies nur unter Umständen tun, wo die Aufwendung der dadurch notwendig werdenden Transportarbeit eine Ersparnis, nicht eine Verschwendung bedeutet. Sie würde nicht Güter, die überall leicht erzeugt werden können, an einen Punkt von weiten Entfernungen holen lassen. Das ist aber in der Großstadt der Fall. Sie muss nicht bloß das Wasser, worauf wir schon hingewiesen haben, sondern auch alle anderen Lebensmittel aus immer weiteren Entfernungen holen, je mehr sie wächst, Lebensmittel, die leicht jede Landwirthschaft produziert, die also bei Aufhebung des Gegensatzes zwischen Stadt und Land ohne Transportkosten fast überall zu haben wären. So z. B. Milch, Eier, manche Sorten Gemüse und Obst &c. Heute muss London zur Befriedigung seines Milchbedarfs nicht nur fast ganz England, sondern auch noch Holland in Anspruch nehmen; um genügend Eier zu bekommen, muss es sich bis nach Italien und Ungarn wenden. Selbst New York soll ungarische Eier beziehen. Welche Verschwendung von Pack- und Transportarbeit!
Eine weitere Verschwendung von Transportarbeit wird bedingt durch die räumliche Entfernung des Wohnorts von der Arbeitsstelle, eine Entfernung, die in den Großstädten im Durchschnitt immer ausgedehnter wird. Die damit verbundene Arbeit bei Eisenbahnen, Omnibussen, Pferdebahnen &c. ist großenteils eine verschwendete, die unter anderen Produktionsbedingungen nicht notwendig wäre.
Unter solchen Umständen ist es kein Wunder, dass trotz stetiger Verbesserungen der Technik, die immer mehr Arbeiter im Verhältnis zur Arbeitsleistung überflüssig machen, das Transportgewerbe und ebenso das Baugewerbe einen stetigen Fortschritt aufweist, immer mehr Arbeiter beschäftigt.
Einige Zahlen mögen das illustrieren. In England nahm die Zahl der in der Landwirthschaft Beschäftigten von 1851 bis 1881 um 419.000 Köpfe, das heißt um 26 Prozent ab. Die Zahl der Industriearbeiter wuchs von 2.754.800 auf 3.599.000, also um 844.200, 30,6 Prozent. Im gleichen Zeitraum hat sich aber die ganze arbeitende Bevölkerung um 39 Prozent vermehrt. Die Zahl der beschäftigten Industriearbeiter hat also von 1851–1881 verhältnismäßig abgenommen.
Vergleichen wir damit Transport- und Bauwesen Englands. Es waren beschäftigt im Transportwesen
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1851 |
1881 |
Zunahme |
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Schifffahrt u. Docks [2] |
246.100 |
347.200 |
41,2 % |
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Eisenbahnen |
25.200 |
139.500 |
453,6 % |
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Straßen |
74.000 |
167.200 |
125,9 % |
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Zusammen |
345.300 |
653.900 |
89,4 % |
Gegenüber einer Bevölkerungszunahme von 39 Prozent finden wir also im Transportwesen eine solche von fast 90 Prozent, beinahe eine Verdoppelung!
Im Bauwesen waren beschäftigt 1851 460.700 Arbeiter, 1881 796.500, das bedeutet eine Zunahme von 73 Prozent. Fast noch auffallender ist der Unterschied zwischen Transport- und Baugewerbe und der Industrie im Jahrzehnt 1871–1881. Es betrug die Zahl der beschäftigten Arbeiter:
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1871 |
1881 |
Zunahme |
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Industrie |
3.358.500 |
3.599.000 |
7,1 % |
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Bauwesen |
664.100 |
796.500 |
19,9 % |
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Transportwesen |
523.500 |
653.900 |
24,9 % |
Innerhalb eines Jahrzehnt, das die furchtbarste Handelskrisis in sich schloss, die bisher die kapitalistische Welt gesehen, wuchs die Zahl der industriellen Arbeiter Englands nur um ein Vierzehntel, die der Bauarbeiter dagegen um ein Fünftel, die der Arbeiter im Verkehrswesen um ein Viertel. [3]
In der Tat, Häuser und Eisenbahnen bauen und besitzen ist heute in der Regel noch ein ganz profitables Geschäft. Wenn man sich bloß an die Tätigkeit auf diesen Gebieten hält, kann man zeitweise wirklich glauben, es stehe uns noch eine Wiederkehr des „wirtschaftlichen Aufschwungs“ bevor.
Neben den genannten gibt es noch unzählige andere Arten von Verschwendung, die mit der kapitalistischen Produktionsweise unzertrennlich verknüpft sind und mit ihr wachsen. Manche dieser „falschen Unkosten“ (faux frais) des Kapitalismus sind viel tiefgreifender, als die im Obigen erwähnten; wir erinnern z. B. nur an die kolossale Vergeudung von Arbeitskraft durch den jähen Wechsel von Arbeitslosigkeit und Überarbeite, der unsere Produktionsweise charakterisiert; an das Anwachsen der unproduktiven Berufe auf Kosten der produktiven, das Anwachsen der Zahl der Vagabunden, Bedienten, Prostituierten, Zwischenhändler &c. Diese Arten von Verschwendung von Arbeitskraft sind jedoch schon zu oft, auch in dieser Zeitschrift, behandelt worden, als dass es nötig wäre, hier darauf einzugehen.
Die gegebenen Andeutungen dürften genügen, zu zeigen, wie sehr die Verschwendung die Signatur der kapitalistischen Produktionsweise ist und es immer mehr wird. Bereits Thomas More hat dies gesehen, aber so unentwickelt wie die Warenproduktion seiner Zeit, waren die Widersprüche, die sie in sich barg. Es bedurfte eines Genies, sie zu ahnen. Heute kann nur ein Blinder oder einer, der nicht sehen will, sie verkennen. Die Sparsamkeit ist das A und das O der Anwälte der kapitalistischen Produktionsweise; im Namen der Sparsamkeit verurteilen sie die vorkapitalistischen Produktionsweisen ebenso wie die sozialistische Produktionsweise, die aus der modernen Arbeiterbewegung erwächst. Im Namen der Sparsamkeit beklagen sie die Verschwendung einer Kanne Oel beim Maschinenölen als Raub am Nationalreichtum, denunzieren sie den Arbeiter, der einmal „blau“ macht, als Verbrecher gegen die Gesellschaft. Dass aber unzählige Güter tagaus tagein durch die vom Belieben des Einzelnen unabhängigen gesellschaftlichen Faktoren der kapitalistischen Produktionsweise unbrauchbar gemacht und verschleudert werden, Millionen von Arbeitskräften brachgelegt oder in unnützen Arbeiten vergeudet werden, das erscheint ihnen natürlich, ja segensreich, als Mittel, die gesellschaftliche Harmonie im Gang zu halten. Wovon sollten denn die armen Leute leben, wenn es keinen Luxus, keine Verschwendung gäbe!
Aus der Sparsamkeit, die sie in jedem Betrieb dem Einzelnen aufnötigt, leiten die bürgerlichen Ökonomen die Berechtigung, ja die Notwendigkeit des Bestehens der kapitalistischen Produktionsweise her. Und doch fristet diese ihre Existenz wohl seit Jahrzehnten nur noch Dank der riesenhaftesten Verschwendung, die die Menschheit je gesehen, und die ihr eigenes, von ihr unzertrennliches Produkt ist.
Indes, so rasch diese ihre Verschwendung auch wächst, der Druck der Konkurrenz erzwingt ein noch rascheres Steigen der Produktivkraft der Arbeit. Die Verschwendung in der kapitalistischen Produktionsweise kann helfen, das Endresultat hinauszuschieben, auf das die chronische Überproduktion hinausläuft, sie kann es nicht verhindern. Und je größer sie wird, desto schärfer tritt die Narrheit jener „sozialen Harmonie“ zu Tage, die dadurch erzielt wird, dass man ins Bodenlose hinein verschwenden muss, um noch weiterhin aufs filzigste schinden und sparen zu können.
1. Neben der Überarbeit ist die Schwerverdaulichkeit der Nahrung des Arbeiters eine wichtige Ursache der Zunahme der „Schnapspest“.
2. Die Matrosen auf hoher See sind da nicht gerechnet, bloß die im Augenblick der Zählung in England weilenden.
3. Nach einer Zusammenstellung, die Herr Booth in einer Abhandlung (gelesen 15. Mai d. J. vor der Royal Statistical Society) veröffentlicht hat, arbeiten von je hundert beschäftigten Personen:
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in London |
8,3 Prozent |
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in ganz England |
7,1 Prozent |
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im Bauwesen |
9,3 Prozent |
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im Transportwesen |
5,8 Prozent |
Dabei ist nicht zu übersehen, dass in England die Bevölkerung zum überwiegenden Theil eine städtische ist; nur ein Drittel lebt auf dem Land. Sonst wäre die Differenz zwischen dem Bau- und Transportwesen Londons und dem ganz Englands noch größer.
Zuletzt aktualisiert am 11. Oktember 2026